CO₂-gestützte Fensterlüftung
Einfache Strategie für bessere Raumluft und wirksamen Infektionsschutz.
CO₂-gestützte Fensterlüftung ist ein praktisches Vorgehen, um die Luftqualität in Innenräumen zu verbessern. Es eignet sich besonders für Gebäude ohne mechanische Lüftungsanlage, etwa in Kindertagesstätten, Schulen, Büros oder Besprechungsräumen. CO₂-Messgeräte machen sichtbar, wann lüften sinnvoll ist, damit verbrauchte Raumluft durch frische Außenluft ersetzt wird.
Warum CO₂ beim Lüften hilft
In Innenräumen sammeln sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer Stoffe an, die die Luftqualität verschlechtern: CO₂, Feuchtigkeit, Gerüche sowie feinste Aerosole. Aerosole können Krankheitserreger enthalten, sodass sie bei der Übertragung luftgetragener Erreger relevant sind. Regelmäßiger Luftaustausch reduziert diese Belastungen deutlich.
Ein CO₂-Wert ist dabei ein einfacher, objektiver Anhaltspunkt. Er zeigt nicht direkt die Konzentration von Aerosolen oder Krankheitserregern an, sondern wird als indirekter Maßstab für den Luftaustausch genutzt. Ein hoher CO₂-Wert weist daher auf einen hohen Anteil bereits ausgeatmeter Luft im Raum hin und damit auf unzureichenden Luftaustausch.
CO₂ selbst ist in den üblichen Innenraumkonzentrationen nicht das gesundheitliche Hauptproblem. Entscheidend ist vielmehr, was ein erhöhter CO₂-Wert signalisiert: nämlich, dass sich bereits viel ausgeatmete Luft im Raum angesammelt hat. Der Wert macht damit sichtbar, ob ausreichend Frischluft zugeführt wird. So lässt sich die Raumluftqualität im Alltag objektiver beurteilen, als wenn man sich allein auf das eigene Empfinden verlässt.
Orientierungswerte
Je nach Bewertungsmaßstab unterscheiden sich die Einordnungen leicht. Während die Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes CO₂-Werte unter 1.000 ppm als hygienisch unauffällig einstuft und Werte über 2.000 ppm als inakzeptabel bewertet, klassifiziert die DIN EN 13779 bereits Konzentrationen über 1.400 ppm als niedrige Raumluftqualität.
Im Normalbetrieb wird eine Basisraumlufthygiene mit CO₂-Werten unter 1.000 ppm angestrebt. Bei erhöhtem, lokalem Infektionsgeschehen oder in pandemischen Situationen werden strengere Zielwerte empfohlen, etwa unter 800 ppm. Diese Anpassung dient der vorsorglichen Reduktion des Anteils bereits ausgeatmeter Luft im Raum und damit einer zusätzlichen Minimierung des indirekten Infektionsrisikos.
- unter 800 ppm: gute Luftqualität
- 800–1.000 ppm: Lüften einplanen
- über 1.000 ppm: Lüften erforderlich
- über 2.000 ppm: hygienisch inakzeptabel, weitere Maßnahmen prüfen
So funktioniert es in der Praxis
1.) CO₂ messen
Ein CO₂-Messgerät wird gut sichtbar im Raum platziert, möglichst in Atemhöhe und nicht direkt am Fenster. Das Gerät zeigt kontinuierlich die aktuelle Konzentration an.
2.) Gezielt lüften
Steigt der CO₂-Wert über den Zielbereich, wird stoß- oder quer gelüftet: Fenster vollständig öffnen und möglichst gegenüberliegende Öffnungen nutzen. Wenige Minuten genügen oft bereits. Kipplüftung ist dagegen wenig wirksam und energetisch ungünstig.
3.) Lüften im passenden Zeitfenster
Besonders effektiv ist Lüften in Pausen, zwischen Nutzungsphasen oder bei geringer Belegung. So lassen sich Komfort, Infektionsschutz und Energieeinsatz besser miteinander vereinbaren. Dieses Vorgehen ist auch dann gut skalierbar, wenn sich Nutzung und Belegung im Tagesverlauf deutlich ändern.
Worauf es ankommt
Zugluft vermeiden: Luftströmungen sollten nicht über längere Zeit direkt auf Aufenthaltsbereiche gerichtet sein.
Insofern möglich: höhere Fenster nutzen. Oberlichter oder hohe Fenster sind oft günstiger.
Witterung berücksichtigen: Bei sehr kalten Temperaturen lieber kürzer, aber häufiger lüften.
Bei erhöhtem Infektionsrisiko oder in Erkältungswellen kann es sinnvoll sein, Lüftungsintervalle zu verdichten und stärker auf niedrige CO₂-Werte zu achten.
Vorteile und Grenzen
Vorteile
- sofort umsetzbar
- geringe Kosten
- kein baulicher Eingriff erforderlich
- hohe Transparenz für Nutzer*innen
- wirksam für den Infektionsschutz
Grenzen
- abhängig vom Nutzerverhalten
- energetisch ungünstiger als mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung
- keine kontinuierliche Luftführung
Langfristig kann daher die Ergänzung oder der Ersatz durch technische Lösungen sinnvoll sein, insbesondere wenn ein kontinuierlich hoher Luftwechsel bei guter Energieeffizienz erreicht werden soll.
Fazit
CO₂-gestützte Fensterlüftung macht Raumluftqualität sichtbar und kann sie gezielt verbessern. Sie unterstützt Infektionsschutz und hilft dabei, im Alltag eine stabile Basisraumqualität sicherzustellen, besonders dort, wo keine Lüftungsanlage vorhanden ist.
Quellen und Literatur
[1] – Umweltbundesamt (2025): Ausschuss für Innenraumrichtwerte. Online verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/kommissionen-arbeitsgruppen/ausschuss-fuer-innenraumrichtwerte#ausschuss-fur-innenraumrichtwerte-air
(zuletzt abgerufen am 24.04.2026).
[2] – Umweltbundesamt (2008): Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden. Online verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3689.pdf
(zuletzt abgerufen am 24.04.2026).
[3] – Saskia Maisch-Hellrung (2025): CO2-Messgeräte im Test – Diese Modelle überzeugen im Vergleich von Stiftung Warentest. Online verfügbar unter: https://produkte-im-test.de/co2-messgeraete-stiftung-warentest/
(zuletzt abgerufen am 24.04.2026).